Jahresrückblick 2018 – über 500 Tagen unterwegs

Novosibirsk. Ein Jahr wie kein anderes. Über ein Jahr auf Reisen. Zentralasien, China, Japan, Korea, Russland.

Jetzt bin ich in Sibirien und blicke zurück. Was für ein Privileg. Das vergangene Jahr war ein Jahr wie kein anderes für mich. Ich durfte so viel erfahren. Ich konnte so viele Menschen treffen.

Reisen

Reisen ist eine grosse Bereicherung. Es ist aber auch ein grosses Privileg. Viele Leute können dies leider nicht. Ob aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen. Es braucht jedoch etwas Mut, das Leben zurückzulassen und aufzubrechen. Man muss loslassen können.

Ich war zwei Monate in Zentralasien, vier Monate in China, vier Monate in Japan, einen Monat in Südkorea und momentan bin ich einen Monat in Russland. Ich reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Wladiwostok nach Moskau.

Ich hoffe ich finde die Musse um die Reiseberichte den jeweiligen Ländern zu schreiben.

Wladiwostok, 10.12.2018Einfahrt in den Hafen von Wladiwostok, zwei Schlepper drehen die Fähre, 10. Dez. 2018

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose war dieses Jahr kein Thema für mich. Glücklicherweise. Ich hatte keine Probleme. Das war auch der Grund meiner Reise. Jetzt oder nie. Bis jetzt hat es funktioniert.

Lobbywatch

In Osaka habe ich einen Monat Pause gemacht und mir Zeit für gewisse Projekte wie Lobbywatch genommen. Wir haben den automatischen Import der parlamentarischen Gruppen programmiert. Zudem habe ich die den Datenbankserver aktualisiert und mich dabei mit der zunehmend wichtigen Docker-Technologie befasst.

Lobbywatch ist ein spannendes Projekt. Es ist politische Grundlagenarbeit. Falls sich jemand interessiert, wir suchen Verstärkung.

Donald Trump

Kein Tag ohne Meldungen. So viele Unwahrheiten. So wenig Bildung. So einseitig. So wenig Weitsicht. Unerhört.

Ausblick

Ich bin auf dem Heimweg. Es geht mit dem Zug bis St. Petersburg. Der Besuch der Hermitage ist ein langjähriger Wunsch.

Danach Helsinki. Ich war noch nie in Skandinavien oder den Baltischen Staaten. Ich möchte noch kurz die jeweiligen Hauptstädte besuchen um ein Gefühl für diese Länder zu bekommen.

Auf Ende Winter sollte ich wieder zurück sein. Danach fängt eine neues/altes Leben an. Ich freue mich. Reisen ist spannend, „nur Reisen“, aber auf Dauer intellektuell wenig herausfordernd.

Fazit

Ich bin dankbar für das vergangene Jahr.

Ich wünsche allen schöne Festtage und ein gutes Neues Jahr!

Meine Reise durch Zentralasien

Vor einem Jahr bin auf meine Reise über die Seidenstrasse nach China und Japan aufgebrochen.

Was habe ich erlebt seit dem Iran? Wo ging die Reise durch?

Nach langer Reise habe ich nun Zeit und Musse gefunden meine Reiseerlebnisse aufzuschreiben. Das chinesische Visum setzte mich unter Zeitdruck und so wollte ich meine Zeit nicht vor dem Computer verbringen.1

Reisekonzept

Ich reise auf dem Land- und Wasserweg von der Schweiz auf der nördlichen Seidenstrasse durch Zentralasien nach China und Japan und möchte mit der Transsibirischen Eisenbahn wieder zurück.

Im ersten Reisebericht beschreibe ich meine Reise durch die Ukraine, Georgien, Armenien, Aserbaidschan und den Iran.

Kasachstan – 2 Wochen im Januar

Nach dem Iran bin über Aserbaidschan mit der Fähre von Baku nach Aktau in Kasachstan gefahren. Fähren sind immer spannend. Das spezielle an dieser Fähre war, sie hatte keinen Fahrplan. Abgefahren wird wenn genügend Lastwagen an Bord sind.

Kasachstan ist ein riesiges Land. Mit dem Zug bin ich von Aktau mit Stopps in Aralsk, Türkistan, Schymkent nach Almaty gefahren. Eine Zugfahrt in traditionellen Sowjetnachtzügen ohne Halt dauert drei Tage. Mehrheitlich besteht Kasachstan aus Steppe. Manchmal sah man vom Zug Kamele.

Bahnhof in Türkistan, 13. Januar 2018

Russisch ist die Verkehrssprache. Kasachisch, eine Turksprache, wird ausserhalb der Zentren gesprochen. Fernsehsender aus Russland sind beliebt.

Almaty, die frühere Hauptstadt, ist eine moderne Stadt und ist russisch geprägt. Almaty liegt direkt am Tianschan-Gebirge (Tian Shan) und hat eine halbe Stunde entfernt das kleine Skigebiet Shymbulak. Und so konnte ich es mir nicht nehmen lassen auf die Bretter zu stehen. Die Pisten waren schön steil. Die Liftanlagen sind aus Österreich und auf dem Stand der Zeit. Die höchste Punkt lag auf 3200m. Doch dieses Jahr hatte es leider ausgesprochen wenig Schnee, trotz der Höhe. Ich hatte Glück. Es war bestes Wetter, nur etwas kalt.

Auf einen Besuch von Astana, der Hauptstadt, verzichtete ich wegen der grossen Distanz und der mit -40°C grossen Kälte. -15°C überstehe ich mit meinen Reisekleidern.

Kein Visum nötig

Kirgistan (Kirgisien) – 2 Wochen im Januar

Bishkek, die Hauptstadt Kirgistans, liegt für zentralasiatische Verhältnisse einen Katzensprung von Almaty. Viele Busse verbinden die beiden Städte. Kirgistan ist in vielem ähnlich zu Kasachstan, mit der Ausnahme, dass es bergig, ärmer und eine Demokratie ist. Bishkek mutet eher wie ein grosses Dorf an. Es gibt kaum hohe Gebäude.

Ich wollte in die Berge und Skitouren machen. Doch wo? Mit wem? Und mit welchem Material? Nach einer Recherche in Bishkek fand ich die nötigen Kontakte. So gings es per Sammeltaxi (Shared Taxi) nach Karakol im Osten und dann in die Jurte in Jyrgalan. Hier traf ich Giona aus dem Tessin. Er ist Snowboardlehrer und führt Ski- und Snowboardtouren in diesem Gebiet durch. Er gehört zum Typ „Lebenskünstler“. Nach einem Wintersturm gab es eine Schicht besten Neuschnees (Powder), aber sehr leider durch den Wind sehr lawinengefährlich. Die Hänge sind nicht wie in der Schweiz durch die vielen Leute im Nu verfahren. Ich bin im Tiefschnee gefahren bis die Oberschenkel brannten. Herrliche Bedinungen. Duschen gab es keine im Camp, dafür eine Banja (russische Sauna), die auch zum Waschen dient. Ich liebe Saunas, insbesondere wenn man sich im Wintersturm bei -20°C im Schnee abkühlen kann. Man fühlt sich wie neu.

Jurten Camp in JyrgalanSkitouren Jurten Camp in Jyrgalan, 29. Januar 2018

Kirgistan war lange ein Schwerpunkt der Schweizer Entwicklungshilfe. Als Resultat gibt es Community Based Tourims (CBT) Gruppen. CBT Gruppen bestehen aus lokalen Leuten, die Tourismusdienste anbieten. Typischerweise sind dies Mehrtageswanderungen (Trekkings) mit Übernachtungen bei Einheimischen (Homestays). Man kontaktiert den Koordinator und er organisiert das weitere. CBT ist eine gute Sache. So profitieren direkt die Einheimischen und als Tourist erhält man Einblicke in das Leben der Einheimischen. Im Winter gibts kaum Touristen in Kirgistan. Es wird deshalb versucht das Skitouren zu fördern um so den Einheimischen Beschäftigung für das ganze Jahr zu bieten. Skischulen werden aufgebaut.

Nach den Touren im Nordosten von Kirgistan bin ich in den Süden nach Arslanbob gefahren. Die Fahrt mit dem Sammeltaxi dauerte zehn Stunden und ging durch eine schöne Hochebene. Dank CBT war das Skitouren sehr einfach. Sie organisierten Material, Führer (Guide) und Unterkunft. Das Skitourenmaterial ist praktisch alles Secondhand aus der Schweiz. Leider lag dieses Jahr in Kirgistan ungewöhnlich wenig Schnee.

Das Leben ist sehr einfach. Und die meisten Leute leben sehr bescheiden. Aber nicht unglücklich.

Kein Visum nötig

Tadschikistan – 2 Wochen im Februar

Wer kennt Tadschikistan? Von allen Ländern hatte ich eine Vorstellung. Nicht aber von Tadschikistan. So wollte ich unbedingt hin. Und es hat sich gelohnt. Tadschikistan ist ein spannendes Land. Es gibt viel zu entdecken. Ursprünglich war es ein Teil des Perserreiches. Die Kultur ist ein Mix aus persischen und sowjetischen Einflüssen.

Im Land gibt es keine öffentlichen Busse oder Züge. Der öffentliche Verkehr besteht aus Sammeltaxis (Shared Taxis), praktisch alles Opel. Die Fahrt von Chudschand (Khujand) im Norden nach Duschanbe, der Hauptstadt, war ein echtes Erlebnis. Die Strasse führte über einen 3000m hohen Pass auf einer Strasse ohne Überholspur. Der Pass ist die einzige Verbindung vom Norden in den Süden. So fahren auf der Passstrasse schwerfällige, langsame Lastwagen und schnelle Autos. Die Passfahrt fühlte sich wie ein Rennen an. Der Fahrer des Sammeltaxis ist ständig am Überholen. Die Taxifahrer machen die Strecke jeden Tag ein- bis zweimal und kennen jede Kurve. Die Passfahrt mit Sammeltaxi ist ein echtes Erlebnis.

Ein Erlebnis war auch die offene Korruption der Verkehrspolizei. Vor und nach jedem Ort gab es Polizisten, die die Autos anhielten. Der Fahrer nahm jeweils etwas Geld mit. Und nach kurzer Zeit ging die Fahrt weiter. Keine Angst, die Korruption betrifft nur Einheimische. Als Tourist wird man verschont. Die Polizisten verlangen nicht direkt Geld. Es funktioniert so: Bei einer Kontrolle wollen sie die Vorschriften überprüfen und wollen den Fahrausweis, den Fahrzeugausweis, das Pannendreieck, die Reifenprofile, usw. prüfen. Mit einem kleinen Betrag können die Autofahrer die Kontrollen verhindern.

Weil die Passfahrt so ein Erlebnis war, machte ich einen Teil nochmals und ging nach Iskanderkul. Der See und die Berge von Iskandarkul gehören zu den schönsten Orten meiner Reise.

IskanderkulseeIskanderkulsee, 16. Februar. 2018

Im Gegensatz zu Kirgistan sind die Berge schroffer und weniger erschlossen. Es gibt kein CBT und kaum Trekkings. Die Aktivität zur Zeit ist Fortbewegen auf der Strasse.

Im Winter gab es in Tadschikistan keine Touristen, doch andere interessante Leute, z.B. eine Edelsteinhändler aus Afghanistan, der in Sizilien lebt oder einen Arzt aus Kaschmir (indischer Teil) in der Weiterbildung. Ein Medizinstudium in Tadschikistan ist bei Indern populär. Anstatt einem Jahr Studium in Indien, kann man mit dem selben Geld fünf Jahre in Tadschikistan studieren.

Sammeltaxis in DuschanbeBeladen der Sammeltaxis (Toyota Land Cruiser Prado) in Duschanbe mit Ziel Khorog, 18. Feburar 2018

Ich hörte, dass der Pamir-Highway und der direkte Grenzpass Kolma/Qolma von Tadschikistan durch den Pamir auf 4300m nach China offen sein sollen. Das reizte mich. Also versuchte ich es. Der Pamir-Highway, ursprünglich eine alte russische Militärstrasse, führt durch eine sehenswerte, wüstenähnliche Hochebene (3000 – 4000m) mit „sanften Hügeln“. Jegliche Meere sind weit entfernt und es ist trocken und hat kaum Schnee. Die Orte sind extrem abgelegen. Fortbewegt wird wieder mit Sammeltaxis, diesmal sind es SUVs. Je nach Strecke kommen Toyota Land Cruiser Prado oder Mitsubishi Pajero zum Einsatz. Gefüllt sind die SUVs bis auf den letzten Platz und das jeweils umfangreiche Gepäck wird auf das Dach gepackt. Dank der guten Federung können diese Autos auf den holprigen Schotterstrassen zügig fahren und die Strecken von Duschanbe nach Khorog und von Khorog nach Murgab in 8 bis 14 Stunden zu bewältigen. Murgab ist der Hauptort des Pamir und liegt auf 3600m. Eine kleine Wanderung und man steht auf einem 4000er. Die Luft war schlecht. Der Ort liegt in einer Mulde und geheizt wird mit Kohle. Und der ganze Abfall wird ebenfalls verfeuert.

Wegen des chinesischen Neujahrsfestes war der chinesische Grenzposten des Kolmapasses eine Woche lang geschlossen. Im Sammeltaxi von Khorog nach Murgab traf ich den Arzt des tadschikischen Grenzpostens. Er war während des Neujahrsfestes bei seiner Familie in Khorog. Praktischerweise konnte ich mich diesem Sammeltaxi von Murgab zum Kolmapass (Qolma), der Grenze zu China anschliessen. Spannenderweise fuhr der russische Lada Niva 4×4 meistens nicht auf der Strasse, einer Schotterpiste, sondern direkt über den unpräparierten Steppenboden in alten Wegspuren. Die tadschikischen Grenzbeamten auf dem Kolmapass (4300m) waren ziemlich locker drauf. Keine Uniformen, sondern einfach im Trainer und die Suppe steht neben den Stempeln. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Dann heisst es warten bis die chinesische Grenze öffnet. Weiter geht die Reise in einem folgenden Blogartikel.

Ein Visum ist nötigt. Es lässt sich leicht als E-Visum übers Internet machen.

Wo war ich nicht

Zwei Länder Zentralasiens habe ich nicht besucht: Turkmenistan und Usbekistan.

Turkmenistan liegt in vielen Länderranglisten einen Platz vor Nordkorea. Das Transitvisum bekommt man oder nicht. Ich habe von Paaren gehört, wo nur eine Person das Visum bekam. Wer länger als die fünf Transittage reisen will, muss einen Reisebeleiter engagieren.

Usbekistan wäre ein spannendes Reiseland in Zentralasien. Klingende Namen wie Samarkand oder Buchara liegen dort und wurden während der Herrschaft von Timur (Tamerlan) gebaut. Während meiner Reise öffnete sich Usbekistan gerade. Visaschikanen sollen reduziert und der für Touristen wichtige Grenzposten zwischen Samarkand nach Penjikent in Tadschikistan soll wieder eröffnet werden. Möglich wurde dies durch die Absetzung des bisherigen Geheimdienstchefs.

Ella Maillard

Vor vielen Jahren las ich Reisebücher der Genferin Ella Maillard. Sie reiste in den 30er Jahren als Frau alleine durch Zentralasien. Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal ihren Spuren folgen würde.

Hilfsmittel

Die Webseite Caravanistan mit seinen Informationen und dem gut organisierten Forum war eine unentbehrliche Hilfe.

Die Karten-App 2GIS macht die Marshruktas (öffentliche Kleinbusse) eicht nutzbar, vor allem wenn man kein russisch kann. Eine Riesenerleichterung. Typischerweise haben Marshruktas keinen Fahrplan und es existieren keine Infotafeln mit den Routen. Sie haben nur eine Nummer.

Multiple Sklerose (MS)

Bei mir wurde vor fast einem Jahrzehnt mit Multiple Sklerose (MS) diagnostiziert. Glücklicherweise hatte ich während dieser Zeit keine Probleme. Ich verzichte auf Medikamente. Mit Medikamenten wäre eine solche Reise nicht vorstellbar. Es ist meine persönliche Entscheidung.

Fazit

Ich bedaure, dass ich wegen des chinesischen Visums nicht länger in Zentralasien (Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan) sein konnte. Ich fühlte mich wohl und wäre gerne länger geblieben.

Alle diese Länder sind sich am Öffnen, Visahürden fallen. Hotelübernachtungen müssen nicht mehr bei der Polizei registriert werden. Neue Hostels werden eröffnet. Kirgistan ist am weitesten und am freisten. In Kirgistan sind die Landschaft wie die Menschen sanft. Kirgistan ist eine gute Feriendestination im Sommer und dank des Skitourens vermehrt auch im Winter. Als Einstieg in Zentralasien würde ich Kirgistan empfehlen. Die Natur ist schön und dank CBT einfach zu erleben.

Ich empfehle diese Länder besser früher als später, oder besser früher und später zu besuchen. Sie sind im Wandel und in zehn Jahren werden es „andere Länder“ sein. Beispielsweise wurde in Duschanbe gerade der Gemüsemarkt abgerissen und es werden moderne Gebäude gebaut.

Dank des russischen und sowjetischen Reiches fühlen sich diese Länder in den Städten eigentlich ziemlich europäisch an.

Dschinghis Khan gefiel mir früher. Die vielen zerstörten Städte änderten meine Meinung. Er hat nicht wie Alexander der Grosse die Städte einfach erobert, sondern diese danach dem Erdboden gleich gemacht.

Alle diese Länder waren sicher.

Nachtrag

[Aktualisierung 15.08.2018: Am 31.07.2018 gab es einen Terroranschlag auf der Pamir-Route. Junge Männer fuhren mit einem Auto in eine Gruppe Velofahrer, darunter ein Schweizer und seine Frau. Der Mann verstarb. Solche Attacken sind kaum kalkulierbar. Diese können überall passieren, Frankreich, Spanien, Schweiz oder Tadschikistan. NZZ Blick.]


  1. Ich benötige mehr als einen Tag um einen Artikel zu schreiben. ↩︎

Reisebericht und Jahresrückblick 2017

Ich bin frei!

Seit fünf Monaten reise ich auf der Seidenstrasse nach Osten. Mittlerweile habe ich einen USB-Adapter aus der Ukraine, eine Hose aus Georgien, das Deo aus Armenien, eine zweite Hose aus Aserbaidschan und die Zahnbürste aus dem Iran.

Der Plan

Mein Plan ist auf dem Land- und Wasserweg von der Schweiz auf der nördlichen Seidenstrasse (Kasachstan) nach China und Japan zu reisen und mit der Transsibirischen Eisenbahn wieder zurück.

Reisebericht

Die bisherigen fünf Monate waren eine intensive und abwechlungsreiche Zeit. Wie immer braucht er erste Schritt etwas Mut. Job und Wohnung kündigen. Und das bei einer MS-Diagnose. Aber ohne Beeinträchtigunen. Und so galt die Devise: Jetzt oder nie!

Um einen Eindruck der Reise zu geben, ein paar Sätze zu jedem Land.

Ukraine – 2 Wochen

Ende Juli bin ich mit Zug und Bus innerhalb zwei Tage direkt in die Ukraine gereist. Die Ukraine ist ein sehr gastfreundlichen Land. Es gibt wenige Touristen. Vom Krieg im Osten merkt man nichts, ausser die verfallene Währung, was das Reisen sehr preiswert macht. Lviv ist als ehemalige Habsburgerstadt sehenswert und touristisch erschlossen. Odessa ist mit dem Schwarzmeerhafen und den herausgeputzten Ukrainerinnen eine Attraktion.

Die Autos zeigen grosse Gegensätze: luxuriöse Protzkarossen zu alten sowjetischen Ladas.

Kein Visum nötig

Georgien – 1 Monat

Von Odessa bin ich mit der Fähre in drei Tagen übers Schwarze Meer nach Batumi in Georgien gereist. Die grosse Frachtfähre mit geladenen Eisenbahnzügen, Lastwagen und allerlei Reisenden war ein sehr schönes Erlebnis. Von der Fähre konnte man Delphine sehen und mit anderen Reisenden reden. Das heisse, feuchte Klima von Batumi war eine neue Erfahrung. Beim kleinsten Spaziergang war die Haupt „klebrig“. Eigentlich schon beim Nichtstun.

In Georgien war ich mit einem Freund aus der Schweiz drei Wochen im Kaukasus unterwegs: Swanetien, Kazbegi (Stepandsminda) und Tuschetien. Der Höhepunkt war sicher die Besteigung des eisbedeckten Vukans Mount Kazbek mit seinen 5033m.

Kein Visum nötig

Photo Ushguli, Swanetien, GeorgienUshguli, Swanetien, Georgien, 27.08.2017

Armenien – 3 Wochen

Von Armenien wusste ich ausser dem Genozid nichts. Die Landschaft ist eine Hochebene mit sanften grasbewachsenen Hügeln. Das Leben in Yerewan mit seinen vielen Cafés ist angenehm. Es lädt zum Verweilen ein. Der Höhepunkt war die Besteigung des Mount Aragats 4090m (leider wegen des schlechten Wetters nur der Vorgipfel 4060m). Der Aragats ist der höchste Berge des heutigen Armeniens. Der bekannte Ararat (5100m) liegt in der heutigen Türkei. Er bleibt aber in der armenischen Kultur tief verankert. So wird er als Markenname für Produkte wie Zigaretten und Cognac verwendet.

Das Baden – ganz allein – in einer kleinen, abgelegenen Thermalquelle bei Jermuk wird mir ganz speziell in Erinnerung bleiben.

Kein Visum nötig

Aserbaidschan – 3 Wochen

In Aserbaidschan wurde ich von der Natur überrascht: eine natürliche brennende Gasquelle und blubbernde 2m hohe Schlammvulkane. Aserbaidschan ist reich an Öl und Gas, was auch die Naturphänomene erklärt. Baden in einem neuen Meer, wie hier im Kaspischen Meer, ist immer eine Freude. Wohltuend war die Übernachtung im 5-Sterne Hotel Karavansaray mit Schwimmbad, Sauna, türkischem Bad und Hamam in Gabala. Und das für 50 Franken.

E-Visum nötig

Iran – 2 Monate

Der Iran ist überwältigend – im positiven Sinne. Das Land ist vielseitig. Schnee im Norden, Sommer am persischen Golf. Berge, Strände, Wüsten, Seen. Die Leute sind super hilfsbereit. So etwas habe ich noch nie erlebt. Gäste sind für sie „von Gott gesandt“. Und so behandeln sie einem. Das Land hat schon seit 2500 Jahren eine grosse Kultur und konkurrierte mit den Griechen, den Römern, den Engländern und Russen. Iran hat dementsprechend einen grossen kulturellen Schatz. Iran ist ein funktionierender Vielvölkerstaat. An einem Tag traf ich Studenten aus den verschiedenen Volksgruppen, Persien, Azeri, arabische Iraner und Kurden, die zusammen eine WG teilen.

Teheran ist mit seinen 16 Mio. Einwohnern für einen Schweizer etwas völlig neues. Chaotisch, lärmig, stressig und dreckige Luft. Zweimal die Schweiz in einer Stadt. (NB. Für indische Reisende ist Tehran ein relaxter Ort.)

Den Iran wollte ich zuerst gar nicht bereisen, da das Visum in der Schweiz langwierig ist. Doch mir wurde durch andere Reisende und auf der Reise angetroffene Iraner klar, eine Reise ohne den Iran wäre ein grosses Versäumnis, zumal das iranische Visum in den Nachbarländern relativ einfach zu bekommen ist.

Visum nötig, nicht so schwierig

Reisefazit

Was für alle Länder zusagen ist. Sie sind: Günstig. Freundlich. Sicher. Auch für Frauen.

Das Wetter war praktisch immer schön. An den meisten Orten herrscht ein trockenes, kontinentales Klima. Einen Wetterbericht braucht es nicht, ausser für die Berge.

Diese Länder sind eine Reise wert. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt. Sie sind sich am Öffnen und Entwickeln.

Ausser in der Ukraine kann das Hahnenwasser überall getrunken werden. Das macht das Leben einfach.

Für 10 – 15 Franken kann man in Hostels („Herbergen“) übernachten. Essen kann man ab 5 Franken.

Viele dieser Leute müssen arm durch. Sie müssen mit 400€. Im Gegensatz zur westlichen Welt haben sie viel Zeit. Sie warten auf Kunden, sei es am Marktstand oder im Taxi. Minibusse fahren, wenn sie voll sind. Zeitdruck scheint hier etwas Fremdes zu sein. Hobbies hingegen haben, ausser den Iraner, die Leute keine. Wenn sie freie Zeit haben, arbeiten sie für einen zweiten Job. Die Iraner gehen gerne in die Berge.

Manchmal war es wie eine Reise zurück in die Vergangenheit. Vieles wird noch von Hand gemacht, z.B. gibt es Tankwarte. Rauchen ist der Standard. Geraucht wird in Restaurants und Autos.

Für die meisten ist Europa der leuchtende Stern. Unerreichbar.

Man braucht wegen seines neuen Handys keine Sorgen zu machen, denn alle jungen Leute haben neue Handys und „posten“ fleissig auf Instagram. Überall.

Was das schöne ist, den Leuten darf man Vertrauen. Auch wenn man sie nicht ganz versteht und sie einem ins Auto nehmen und irgendwo hinfahren, kommt es gut.

Selten habe ich etwas im Voraus gebucht. Diese Flexibilität macht das Reisen angenehm und gibt ein Freiheitsgefühl.

In den Hostels trifft man viele spannende Reisende und kann sich austauschen. Je einfacher die Leute reisen, desto höher stehen sie in meinem Ansehen. Entweder als Velofahrer oder mit minimalem Geld (2€/Tag). Es gibt beide. Es sind immer spannende Leute.

In Georgien und Armenien zählt die Familie viel und die Leute heiraten früh. 45-jährige Grosseltern sind keine Besonderheit.

Ferienreisende, die möglichst viel in 8 Tagen machen wollen, taten mir manchmal leid. Einen vollgepackten Plan. Zuerst wollte ich selbst zielstrebig in etwa einem halben Jahr nach Japan und zurückreisen, dann bekam ich Angst vor dem zu schnellen Reisen.

Taxifahrer sind in allen diesen Ländern eine eigene Kategorie von Leuten. Sie sind die einzigen die die Touristen (manchmal) auszunehmen versuchen.

Ein Ärgernis in den Ländern für mich war, dass die Wasserhahnen für Kalt- und Warmwasser mal links, mal rechts waren.

Falls sich jemand für die Reise interessiert, soll sich bei mir melden und ich schicke meinen Instagram-Namen mit der Reisedokumentation (Bild-Blog). Texte mit aktuellen Informationen schicke ich an eine WhatsApp-Liste. Am einfachsten per E-Mail melden.

Zufall

Der Zufall ist ganz stark zu spüren. Ein kleine Verschiebung, eine Nacht früher oder später bei einer Übernachtung, diese oder jene Unterkunft und man trifft ganz andere Leute. Es sind so viele kleine Entscheidungen, die Ausmachen wen man trifft. Bei mir und gleichzeitig bei den anderen.

Reiseausblick

Ich habe heute eine wichtige Hürde genommen und mein chinesisches Visum bekommen. Das chinesische Visum ist das grösste Hindernis auf einer solchen Reise auf dem Landweg nach China. Das chinesische Visum hat viele Kriterien und China vergibt Visas eigentlich nur am Wohnort, welche dann drei. maximal sechs Monate gültig sind. Teheran ist eine der raren Ausnahmen, aber es ist nicht garantiert. Mein Visum ist 3 Monate gültig und ich kann in dieser Zeit zweimal zu je 60 Tagen einreisen.

Jetzt gehts via Baku und der Kaspischen Fähre nach Aktau in Kasachstan. Zentralasien im Winter mit seinen Minustemperaturen wird sicher fühlbar in Erinnerung bleiben. Kirgistan (Kirgisien) und Tadschikistan stehen auch auf meiner Liste, bevor es nach China geht. Hoffentlich liegt noch ein Abstecher nach Vietnam drin. Einen Einblick in Südostasien zu bekommen reizt mich. In Japan werde ich dann meine Heimreise über Russland mit der Transsibirischen Eisenbahn organisieren. Nach aktuellem Plan in etwa vier bis fünf Monaten. Zwei Monate durch Russland zu Reisen wäre für so ein grosses Land sicher nicht zu viel. Das Visum dafür zu bekommen ist eine andere Geschichte.

Ich bin frei. Bei Nichtfallen, kann ich jeder Zeit die Reise beenden.

Vor der Reise

Bei Lobbywatch haben wir Anfang des Jahres eine neue graphische Webseite in Betrieb genommen. Zudem habe ich den Datenimport der Parlamentarier und der Zutrittsberechtigen weitgehend automatisiert. Auch die Übergabe und die Schulung meines Ersatzes nahmen einige Zeit in Anspruch.

Im MS-Register gab seit dem öffentlichen Start viel weniger zu tun als letztes Jahr. Es gab zwei, drei Sitzungen.

Im Wissenschaftlichen Beirat war ich letztes Jahr wenig aktiv. Meine Punkte habe ich eingebracht gehabt und vieles läuft zu meiner Zufriedenheit.

Ich habe mich von allen Aktivitäten, ausser einigen punktuellen Einsätzen bei Lobbywatch, während meiner Reise dispensiert und werde danach weitermachen.

Die Reisevorbereitung war fast ein halbes Jahr. Projekte abschliessen und übergeben. Die Wohnung kündigen, putzen und abgeben. Dazu viel Papierkram, wie Steuern, Versicherungen, Pensionskassengelder, Wohnsitz, … Rucksack packen und entscheiden was daheim bleibt. Für die effektive Reisevorbereitung blieb dann gar nicht mehr viel Zeit. Über die Länder habe ich mich nur minimal informiert, wie mögliche Reisewege, Visaregeln und Sicherheit.

Fazit

Es ist ein grosses Privileg so eine Reise machen zu können. Reisen ohne Enddatum ist schön. Das gibt Freiheit und Flexibilität. Der Entschluss brauchte Mut.

Bisher habe ich die Reise noch keine Sekunde bereut.

Neues Jahr

Ich wünsche allen ein gutes Neues Jahr!

Folgeartikel der Reise

Buchtipp: Krankenhausmarketing 4.0 – Erfolgreich in einer digitalen Welt

„Krankenhausmarketing 4.0 – Erfolgreich in einer digitalen Welt“ Dr. Christian Stoffers (Hrsg.) erschienen bei Mediengruppe Oberfranken – Fachverlage Schon jetzt den 14. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS am 19. und 20. September 2018 vormerken: www.gesundheitswirtschaftskongress.de

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Buchtipp: „Attraktiver Arbeitgeber Krankenhaus“

Buchtipp GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS 2017: „Attraktiver Arbeitgeber Krankenhaus“ Joachim Prölß / Michael van Loo (Hrsg.) erschienen bei MWV – Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. Bei der Gelegenheit: Schon jetzt den 14. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS am 19. und 20. September 2018 vormerken, www.gesundheitswirtschaftskongress.de

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#OEGWK – Haben Sie sich schon angemeldet?

10. ÖSTERREICHISCHER GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS: Das Gesundheitssystem ist derzeit im massiven Umbruch. Die Innovationsfähigkeit der Medizin und die demographische Entwicklung prägen den Wandel. Deshalb werden heute mehr und mehr Probleme der Finanzierung und der Qualität öffentlich diskutiert. Immer stärker rücken die gesundheitspolitischen … Read more →

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Buchtipp: „Aufsichts- und Verwaltungsrat in Gesundheits- und Sozialunternehmen – Aufgaben, Herausforderungen, Handlungsempfehlungen“

Buchtipp GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS 2017 „Aufsichts- und Verwaltungsrat in Gesundheits- und Sozialunternehmen – Aufgaben, Herausforderungen, Handlungsempfehlungen“, Prof. Dr. Bernd Halbe / Prof. Dr. Rudolf Schmid (Autoren), erschienen im medhochzwei Verlag. Schon jetzt den 14. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS am 19. und 20. September 2018 vormerken, … Read more →

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