Mehr Antibiotika für mehr Infektionen

Mein letzter Beitrag zu den lieben Antibiotika behandelte eine kleine Sensation: Alte Antibiotika neu entdeckt. Dieser Artikel zeigt, dass es vor rund 1000 Jahren von Menschen geschaffene Antibiotika auf natürlicher Basis gab, die nicht nur anti-mikrobiell wirken, sondern sogar die heute so gefürchteten resistenten Keime zuverlässig eliminieren.

Im Artikel hatte ich noch eine Reihe von weiterführenden Links zu diesem Thema angeführt, vor allem zum Verschreibungsverhalten heutiger Schulmediziner. Denn die lassen sich (immer noch) nicht daran hindern, auch virale Infekte mit Antibiotika zu behandeln. Über diesen Irrsinn hatte ich auch bereits in meinem Grundsatzbeitrag zum „Fluch der Antibiotika“ berichtet.

Das Argument das dann häufig aufgefahren wird: „Antibiotika als Prophylaxe“. Das hört sich auch erst einmal gut an…

In der Online-Ausgabe des „Deutschlandfunks“ gibt es eine Reihe von Beiträgen zu diesem Thema, die einem die Haare zu Berge stehen lassen können. Unter Wenn Antibiotika wirkungslos werden erfahren wir Folgendes:

„Wir haben hier in der Universitätsklinik einmal geschaut, wie viele Erreger denn eigentlich von Patienten schon zu uns mit ins Krankenhaus gebracht werden und waren sehr erstaunt, dass wir circa fünf Prozent aller Patienten, die wir aufnehmen, schon mit multiresistenten Erregern besiedelt sehen.

Die Quellen der Keime sind vielfältig. Antibiotika würden in der Medizin zu häufig und oft an falscher Stelle gegeben, sagt Professor Klaus Pfeffer, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Düsseldorf. Dadurch züchte man regelrecht resistente Bakterien heran. Doch auch die Tierzucht trägt zum Problem bei.

Wir wissen, dass in Deutschland 1.700 Tonnen Antibiotika im Tierbereich eingesetzt werden, während etwa 300 Tonnen pro Jahr im medizinischen Bereich verabreicht werden.“

Ein weiterer interessanter Beitrag des „Deutschlandfunks“ beschäftigt sich mit dem immer noch üblichen Phänomen, dass Ärzte zu häufig Antibiotika verordnen, jenseits aller Evidenzbasiertheit – eigenartigerweise.

Das alles erscheint unverständlich.

Denn inzwischen haben nicht nur die Naturwissenschaft, sondern auch eine Reihe von Schulmedizinern gelernt, dass ein erhöhter Einsatz von Antibiotika das Risiko von Resistenzen in fast gleichem Maße erhöht.

Nimmt man noch die „leckeren“ Nebenwirkungen der Antibiotika der neueren Generation dazu (Fluorchinolone mit Nebenwirkungen – Ein ärztliches Rezept für Desaster, Ein ganz gewöhnliches Antibiotikum entpuppt sich als „Killer“), dann bleibt von einer Antibiotika-Therapie nur noch die Hoffnung übrig, dass der Patient die Behandlung überleben möge.

Dieses Szenario mutet makaber und paradox an. Man fragt sich sofort, wenn keine Antibiotika, womit sollte man dann einen Patienten behandeln? Die Antwort ist einfach und kompliziert. Eine Infektion sollte nur mit den Antibiotika behandelt werden, die sich gegen den oder die Erreger richten, die die Infektion verursachen.

Breitspektrum-Antibiotika: Mit Kanonen auf Spatzen feuern!

Breitspektrum-Antibiotika sind Kanonen, die auf Spatzen feuern. Viele Infektionen lassen sich auch lokal behandeln. Dazu gibt es natürliche Alternativen, die nicht nur preiswerter, sondern auch verträglicher sind (Natürliche und pflanzliche Antibiotika: Schutz vor Infektionen und bakteriellen Erkrankungen). Antibiotika als Prophylaxe, dazu gibt es nicht einen evidenzbasierten Beleg, dass es sich hier um eine sinnvolle Methode zur Vorsorge gegen Infektionen handelt.

Das heißt nicht, dass es keine solche Prophylaxe gäbe. Die sieht jedoch vollkommen anders aus, als man es in der Schulmedizin handhabt.

Wie? Wenn in besonderen Situationen Feuer mit Feuer bekämpft wird, warum sollte es keine Situationen geben, wo man Infektionen mit Bakterien bekämpfen kann und ebenso deren multiresistente Vertreter?

So paradox dies klingen mag, aber es gibt einen guten Grund, warum dies die beste und aussichtsreichste Prophylaxe überhaupt gegen Infektionen und vor allem Resistenzbildung ist.

Warum? Weil resistente Keime ein besonderes Milieu benötigen, um zu überleben. Sie sind nicht unsterblich, sondern nur besonders virulent, wenn die Umgebung, wie in einem Krankenhaus zum Beispiel, zur Vermehrung einlädt.

Problem: Resistente Krankenhauskeime

Resistente Krankenhauskeime erkennt man jetzt nicht daran, dass diese auch einen weißen Kittel tragen. Vielmehr begünstigt die Medikation, die tagtäglich in den Patienten eingetrichtert wird, eine Vermehrung der Keime im Organismus, speziell im Gastrointestinaltrakt des Patienten. Und wenn es dann noch morgens und abends Antibiotika gibt, dann ist die Welt der resistenten Keime vollkommen in Ordnung. Verlässt der Patient das Krankenhaus und stoppt seine Antibiotika-Zufuhr, dann beginnen schlechtere Zeiten für die resistenten Keime, falls der Patient nicht inzwischen schon ein manifestes Problem mit diesen Keimen bekommen hat.

Der Mechanismus, der hinter diesem Phänomen steht, wurde erst neulich von amerikanischen Wissenschaftlern erklärt: Pheromone killing of multidrug-resistant Enterococcus faecalis V583 by native commensal strains. In dieser Arbeit sahen die Autoren zur eigenen Überraschung, dass ein experimenteller resistenter Bakterienstamm (V583) ohne weitere Zutun von einer vollkommen normalen Darmflora vernichtet wurde. Andere Keime, wie symbiotische Enterokokken, dagegen blühten auf. Der Grund für die Vernichtung der resistenten Keime durch körpereigene Darmbakterien lag in einer Art „Kommunikationsdefizit“.

Bakterien sind in der Lage Pheromone zu produzieren, die eine Art „Sprache“ der Bakterien untereinander ist. Diese Pheromone aktivieren genetische Informationen auf den Plasmiden anderer Bakterien. Während Anordnung und Bestand dieser genetischen Informationen bei allen Darmbakterien praktisch identisch ist, sieht es bei den resistenten Keimen vollkommen anders aus. Die Autoren der Arbeit vermuten, dass die Pheromone hier Genabschnitte aktivieren, die im resistenten Keim unphysiologische Abläufe initiieren und so die Zellen in den Untergang treiben.

Antibiotika und Darmflara

Über diesen Mechanismus halten sich die Darmbakterien unerwünschte Konkurrenz vom Leibe. Kippt man jedoch unentwegt Antibiotika auf eine gesunde Darmflora, dann sinkt in erster Linie die Zahl der gesunden Bakterien, während die der resistenten Bakterien unberührt bleibt – weil sie eine andere Art und Anordnung von Erbinformationen aufweisen, die für die Resistenz verantwortlich ist. Während nun unter der Antibiotika-Therapie auch mehr Raum entsteht für unvorteilhafte Keime (ein Teil der Gesunden sind bereits vernichtet), entsteht somit ein Milieu, das enorme Vorteile für die resistenten Keime bietet: Mehr Lebensraum und immer weniger die Lebensfunktion störenden Pheromone von der natürlichen Konkurrenz.

Fazit vom Leiter der Autorengruppe: Deshalb ist es genau der falsche Weg, Patienten vor Krankenhauskeimen schützen zu wollen, indem man ihnen prophylaktisch Antibiotika verabreicht“.

Für ihn und seine Kollegen besteht eine erfolgversprechende Prophylaxe in der Erhaltung und Unterstützung der natürlichen Darmflora. Auch sie wollen Infektionen nur mit den Medikamenten behandelt sehen, die gezielt gegen die Ursachen, sprich Krankheitserreger vorgehen. Dazu ist leider etwas mehr Arbeit seitens der behandelnden Ärzte erforderlich, die vor der Gabe der Antibiotika erst einmal den Erreger isolieren und bestimmen müssen. Breitspektrum-Antibiotika sind hier die Alternative für bequem durchzuführende Gießkannentherapien, mit der Hoffnung, einen der Erreger auch ohne eingehende Diagnose zu erwischen. Hier werden aber auf jeden Fall die Bakterien erwischt, die eigentlich die besten Freunde von Patient und Arzt sind – die Darmbakterien.

Und so verlassen wir jetzt den intensiv grübelnden Mediziner, der seine Patienten mehr als ausreichend mit Antibiotika versorgt hat – vollkommen konform mit den medizinischen Lehrbüchern – und die dennoch diese vermaledeite Infektion nicht loswerden. Dieses Szenario erinnert mich etwas an die intensiv grübelnde Hausfrau, die nicht verstehen kann, warum die Eier, die sie jetzt schon seit 2 Stunden kocht, immer noch nicht weich sind.

Fazit

Wenn die Pflege der eigenen Darmflora die beste Prophylaxe gegen Infektionen und Resistenzbildung ist, dann sollte der Arzt Pro- und keine Anti-Biotika verschreiben.

Noch eine Quelle dazu vom „Deutschlandfunk“: Konkurrenz belebt das Geschäft

und von mir:

Dieser Beitrag Mehr Antibiotika für mehr Infektionen wurde erstmalig von Heilpraktiker René Gräber auf NaturHeilt.com Blog veröffentlicht.