Fußballkompetenz in der Praxis

Wir haben in der Praxis den EM-2016-Spielkalender hängen, die Kästchen werden, naja, konsequent verspätet ausgefüllt, außerdem: Wie bei den meisten Plänen dieser Art sind die Ausfüllkästchen sowieso zu klein.

Steht ein zehnjähriger Fan (mitsamt „Mannschaft“-Trikot, Reus) vor unserem Plan und studiert ihn genau.

Fan: „Was´n Ditschl?“
Ich: „Na, Deutschland. Da war zu wenig Platz zum Ausschreiben.“
Fan: „Aha… Und No-Ir?“ Er tut sich wirklich schwer beim Entziffern, auch noch meine Arztklaue.
Ich: „Nord-Irland.“
Der Fan schüttelt missbilligend den Kopf. „Kann man ja gar nichts drauf erkennen. Und die Ergebnisse sind auch nicht alle eingetragen.“
Ich: „Ja, tut mir leid, wir kommen da nicht so dazu.“
Fan: „Und das da? Span und Fra?“
Ich: „Spanien und Frankreich.“
Fan: „Die fliegen sowieso raus. Brauchste auch nicht ausschreiben.“
Ich: „Wer wird denn Europameister?“
Fan: „Bisher dachte ich Italien. Die Alten haben wirklich beeindruckt. Krass. Aber CR7 darf man auch nicht vergessen.“
Ich: „Wirklich. Portugal muß sich aber noch anstrengen.“
Der Fan zieht die Augenbrauen hoch: „Was tippen Sie denn? Sie…“, er mustert mich, klare Taxierung meines Alters und meiner mangelnden Fußballkompetenz, „… Sie glauben doch bestimmt noch an…“, jetzt hält er die Hand über den Mund, wie man das als Profi auf dem Spielfeld eben so macht, damit kein Lippenleser die Geheimnisse erfahren kann:
„Ditschel!“

Dann bricht er in schallendes Gelächter aus.

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