Mehr als 110 Kinder sterben täglich durch einen Unfall in Europa

Verletzungen durch Unfälle. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für Tod und Behinderungen bei Kindern.

In der Europäischen WHO-Region sterben jährlich mehr als 42.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren an den Folgen von Unfällen. Straßenverkehrsunfälle sind die häufigste Todesursache gefolgt von Unfällen durch Ertrinken, Vergiftungen, Verbrennungen und Stürze.

Kinder, die aus armen Verhältnissen kommen, sind besonders gefährdet. Aufgrund schlechter und beengter Wohn- und Lebensbedingungen haben sie ein neunmal höheres Risiko bei einem Unfall zu sterben als Kinder, die nicht arm sind. Die Folgen eines Unfalls können für ein Kind dramatisch sein: Lernen, Berufsausbildung und damit die spätere Erwerbsfähigkeit können eingeschränkt sein.

„Obwohl es große Fortschritte bei den Präventionsmaßnahmen zur Unfallverhütung gibt, wird das Todesrisiko für Kinder, verglichen mit Krankheiten, immer noch stiefmütterlich behandelt“, sagt Joanne Vincenten, Direktorin der European Child Safety Alliance (ECSA). „Eine langfristige Unterstützung der Kinderunfallprävention durch die Regierungen wäre ein Garant dafür, die Kindersterblichkeit ebenso wie soziale Ungleichheiten europaweit zu reduzieren.“

Die „Child Safety Report Cards“, die die Einführung und Umsetzung von über 100 evaluierten Präventionsmaßnahmen gegen Kinderunfälle innerhalb Europas miteinander verglichen haben, wurden 2009 im Europäischen Parlament durch die ECSA veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass hier mehr getan werden kann und muss.

Zum Beispiel findet sich nur in acht von 24 Ländern ein Gesetz, nach dem Kinder bis zum 12. Lebensjahr (oder bis zu einer Größe von 150 cm) nur auf dem Rücksitz eines Autos mitfahren dürfen. Irland ist das einzige Land, in dem Kinder – unabhängig von der Größe des Bootes – auf dem Wasser eine Schwimmweste tragen müssen. Nur sieben von 24 Ländern verlangen eine Umzäunung öffentlicher Schwimmbäder.

Erfreulicherweise zeigen alle Länder, die 2007 als auch 2009 an dem Bewertungsprozess der „Child Safety Report Cards“ teilgenommen haben, deutliche Verbesserungen bei ihren Ergebnissen. Besondere Fortschritte machten Österreich und die Tschechische Republik. Momentan nehmen 26 Länder an dem von der Europäischen Kommission unterstützten Projekt „Child Safety Action Plan (CSAP)“ teil, das von der ECSA koordiniert wird. Innerhalb dieses Projektes fühlen sich viele der teilnehmenden Länder zu mehr Kinderunfallprävention verpflichtet:

„In Deutschland gibt es ein paar hart erkämpfte Erfolge: Kindersichere Feuerzeuge sind verbindlich und dauerhaft eingeführt worden sowie die Rauchmelder-Verordnung für private Neubauten. Sie gilt nun immerhin in sechs Bundesländern“, erklärt die Bundesgeschäftsführerin der BAG Martina Abel in Bonn. „Dennoch gibt es viel zu tun: In Deutschland starben 2008 282 Kinder unter 15 Jahren durch Unfallverletzungen. Diese Zahl ist immer noch viel zu hoch!“

In der Tschechischen Republik, wo der CSAP von der Regierung unterzeichnet wurde, werden in der ersten Umsetzungsphase des Plans die Daten zum Unfallgeschehen verbessert und entsprechende Beobachtungssysteme eingeführt.
In Spanien konnten Maßnahmen gegen den Ertrinkungstod implementiert werden. Das Gesundheitsministerium verabschiedete dabei Leitlinien zur Wassersicherheit für alle Anbieter von Freizeitangeboten.
Schweden ist seit Jahrzehnten wegen seiner weitreichenden erfolgreichen Maßnahmen zur Kinderunfallprävention ein Vorzeigeland. Hier verunglücken die wenigsten Kinder. Zukünftig wird in Schweden eine gemeinschaftliche Plattform gebildet, in der sich die verschiedenen Verantwortlichen zur Kindersicherheit austauschen können.

Weitere Informationen erteilt Joanne Vincenten, Geschäftsführerin der European Child Safety Alliance (ECSA), E-Mail: :J.Vincenten@childsafetyeurope.org, Tel. 0031 6 533 97060 Deutsche Informationen sind unter www.kindersicherheit.de/html/ecsa.html#report verfügbar.

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