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Auszuhalten.

"Wie hältst Du das bloß aus, diese Patientin zu betreuen?" sprach die junge diensthabende Ärztin zu mir.

Wir mußten gerade wegen massiver Nebenwirkung die Chemotherapie abbrechen. Die Patientin bekam keine Luft mehr. Mit Sauerstoff auf Vollgas hatte ich ihre Sättigung bis zum Eintreffen der Ärztin auf 90% geprügelt.
Sie war vor wenigen Wochen vierzig geworden. Ein paar Tage später entdeckte ihr neuer Hausarzt ziemlich vieles, was überall nicht hingehörte: viele Metastasen in Leber, Lymphknoten und im Bauchfell, was mittlerweile zu einem gewaltigen Ascites (Wasserbauch) geführt hatte. Im Pleuraspalt war auch eine ganze Menge, was das Lungenvolumen enorm bedrängte. Vierzig Jahre. Zwei Kinder, fünf und sieben Jahre alt. Der Tod zum Greifen nah.

"Wie hältst Du das bloß aus, diese Patientin zu betreuen?"

Ich habe mir nie Gedanken deswegen gemacht, ich habe schon viel Schlimmes gesehen und kaum Probleme gehabt, damit fertig zu werden.
-Patientin, Ende fünfzig, mit erstklassigem Blick durch die Bauchdecke aufs Gedärm
-Patient, 29 Jahre,starb mit einem Tumorrezidiv, welches selbst routinierte KollegInnen erbleichen ließ
-Patientin, 36 Jahre, fünfjährige Tochter, stirbt passend zu Weihnachten an Bauchspeicheldrüsenkrebs

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.

"Wie hältst Du das bloß aus, diese Patientin zu betreuen?"

Ich dachte darüber nach. Wie halte ich das denn nun aus?
Ich bin Profi. Ich habe einen Auftrag zu erledigen. Ich habe ein Ziel. Und mein Ziel muß nicht eine gesunde Patientin sein. Sondern manchmal ist das Ziel einfach nur, Linderung zu verschaffen. Oder etwas Wärme. Erleichterung der mitkranken Seele. Diese Ziele sind meist nicht so schwer zu erreichen. Ich habe kein Mitleid. Das nützt niemandem etwas. Einfühlungsvermögen schon mehr.

Alle (Nichtpflegekräfte) wundern sich gerne, daß ich todkranke und sterbende PatientInnen betreue. Das sei doch schrecklich und traurig.

Nein, ist es nicht. Ich kann mich da so richtig austoben. Individuell und umfassend pflegen. Mein Erfolgserlebnis ist dann zum Beispiel ein würdiger Tod. Und das Gefühl, es richtig gemacht zu haben. Das ist ein gutes Gefühl.

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